Ökonomie der Zerstörung: Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus


 
Ein wichtiges Buch, auch fuer das heutige Deutschland
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Ökonomie der Zerstörung: Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus (Gebundene Ausgabe) Tooze beschreibt eindrucksvoll am Beispiel der Wirtschaftsgeschichte der Nazizeit das auch noch heute latent vorhandene deutsche Dilemma: die Probleme eines wirtschaftlich und politisch Halbstarken, die eigenen Kraefte, die damit zusammenhaengende Notwendigkeit der Einbettung in die internationale Wirtschaft sowie die Konsequenzen fuer ihre Wirtschafts- und Aussenpolitik richtig einzuschaetzen.

Besonders klar wird bei Tooze, dass der Krieg - obwohl politisch von Anfang an von Nazis und Teilen der Reichswehr gewollt - auch eine direkte Folge des in den deutschen politischen Eliten vorherrschenden Autarkie- und daraus folgenden wirtschaftlichen Regulierungs- und Lenkungswahns war. Ohne Handel (und die durch sie erzeugten Devisen) gab es Zugang zu lebensnotwendigen internationalen Rohstoffen und Arbeitskraeften aber nur gegen Gewalt. Eine Strategie der Importsubstitution war fuer ein mittelgrosses Land, wie Tooze eindrucksvoll Sektor fuer Sektor nachweist, zum Scheitern verurteilt. Ohne funktionierenden Preismechanismus und unter einer ideologisch gefuehrten, rigiden staatlichen Planwirtschaft wurden das knappe vorhandene Real- und Humankapital in gigantischer Art und Weise verschwendet: anstatt, wie die USA, diese Faktoren mit sanften staatlicher Anreizen in dauerhaften Konsum (in den 30er Jahren v.a. Wohnungen und Verkehr) zu lenken und so angetrieben von den Konsumenten aus der Weltwirtschaftskrise zu wachsen, verpulverte Deutschland seine - und spaeter die von den europaeischen Nachbarn geraubten - Ressourcen in einem anachronistischen Ruestungswettlauf, den es nur verlieren konnte.

Nur wenige, wie Carl Goerdeler, stellten sich der Logik des nach innen und aussen zur Aggression verdammten Autarkiestaates entgegen. Ihre Namen werden in der allzu oft auf metaphysischer Ebene stattfindenden deutschen Debatte weitgehend vergessen. Mit Lust gibt man sich hierzulande etwa Goetz Aly's These vom raubenden Volksstaat hin. Der Wahrheit naeher duerfte aber Tooze kommen, der Raub und Mord treffend als die haesslichen Geschwister von Mangelwirtschaft und Knappheit identifiziert.

Mit seiner Kernthese bietet dieses hervorragend geschriebene Buch damit auch noch fuer das heutige, in vielerlei wirtschaftlichen Lenkungsdebatten verharrende Deutschland reiche Lehren. Vor allem die eine: politische Eliten ohne Bezug zur wirtschaftlichen Realitaet und entsprechendes Verstaendnis sind im besten Fall ein teuerer Luxus, mit Ideologie und Aggressivitaet gepaart sind sie brandgefaehrlich.

Eine Rezension von Ein Kunde
vom 30. Dezember 2007
Kundenrezensionen:
3. Der Gegenentwurf
2. Ein wichtiges Buch, auch fuer das heutige Deutschland (die aktuell angezeigte Rezension)
1. An wesentlichen Stellen mangelhaft
Zur Übersicht ...
 
Angebote zu
 ab 1 Euro!

Siehe auch folgende Artikel:
Hitlers Volksstaat
Das Ende: Kampf bis in den Untergang - NS-Deutsch...
Der NS-Staat: Geschichtsinterpretationen und Kont...
Wirtschaftskrisen: Geschichte und Gegenwart
Geschichte des Westens 2
Heinrich Himmler: Biographie
Mehr zu  Wirtschaftsgeschichte,  Frauenforschung,  Nationalsozialismus,  Nationalsozialismus,  Nationalsozialismus allgemein,  Wirtschaftsgeschichte
Home ...,    
,    Begleitseite ...
Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von
The domain name europarat.net is for sale or rent! For more information look at DomainDorado.com ...

Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum)